Mir ist in Autralien ein interessantes Wort in Theorie und Praxis der Pflege begegnet: Clinical leadership. Interessant! Aber was heißt das? Das Konzept wird in der Pflege im angelsächsischen Raum seit vielen Jahren diskutiert. Wie so oft in der akademischen Diskussion, gibt es keine einheitliche Definition. Aber das allgemeine Verständnis von „clinical leadership“ ist, dass es von grundsätzlicher hoher Bedeutung in der Pflege ist, um eine qualitativ hohe und sichere Pflege und Betreuung von Menschen in unterschiedlichen Settings der Gesundheitsversorgung zu leisten. Es wurde als Konzept vor dem Hintergrund entwickelt, dass in der gegenwärtigen Situation im Gesundheitswesen andere „Haltungen“,“Werte“ und ein anderer „Habitus“ in der praktischen Arbeit notwendig ist. Autoren/innen und Verfechter/innerinnen des „clinical leadership“ gehen davon aus, dass eine transformationale und evidenz-basierte „clinical leadership“ in der Pflege notwendig ist. Mit anderen Worten, „clinical leadership“ beschreibt einen Führungsstil in der praktischen Pflege, der von bestimmten Werten, Normen und Inhalten geprägt ist. Es zielt in der Pflege darauf ab, die personenzentrierte Pflege zu optimieren und als „change agent“ in Settings der Gesundheitsversorgung zu wirken. Dieses Konzept wird damit verbunden, dass Lernen und Innovation sowie Teamorientierung grundsätzlich geschätzt und gelebt wird. Es integriert die Patienten/innen bzw. Klienten/innen in die Entscheidungsfindung in der Gesundheitsversorgung und fokussiert auf die Bedarfe und Bedürfnisse der Patienten/innen bzw. Klienten/innen. Im angelsächsischen Raum wurden Programme für Pflegende entwickelt, um „clinical leadership“ zu lehren und Pflege darin zu qualifizieren. Bis jetzt deuten Forschungsergebnisse daraufhin, dass Absolventen/innen derartiger Kurs eher eine teamorientierte Herangehensweise und vielmehr neue Verfahren und Instrumente in der Gesundheitsversorgung anwenden. Sie berücksichtigen öfter patientenorientierte Perspektiven in der täglichen Arbeit und in den Settings der Gesundheitsversorgung. Das Hauptziel dieser „Clinical leadership“-Programme ist, die Qualität in der Patientenversorgung zu verbessern, basierend auf dem Prinzip, dass gute „leader“ eine gute Pflege und Betreuung gewährleisten. „Clinical leader“ verfolgen das Ziel, Excellence in der Gesundheitsversorgung zu leisten, sie unterstützen Kollegen/innen, sind verfügen über eine positive Grundhaltung und inspirieren andere durch und mit ihrer Haltung. Der Fokus der Gesundheitsversorgung ist auf die Patienten/innen, Klienten/innen gerichtet und sie arbeiten mit anderen Gesundheitsprofessionen zusammen. Sie sind in der direkten Gesundheitsversorgung involviert und klinische Experten in einem Spezialgebiet der Gesundheitsversorgung.
Kurz und gut: „Clinical leadership“ ist ein Führungsstil in der praktischen Arbeit, der sich auf Pflegende in der direkten, praxis- und patientennahen Arbeit bezieht.
Allerdings, wie so häufig, fällt es mir schwer, für diesen Begriff eine deutsche Bezeichnung bzw. Übersetzung zu finden. Als Konzept beurteile ich es als besonders wichtig für Pflegende und Studierende der Pflege, die sich den patienten- und klientennahen Tätigkeiten zuwenden. Es geht darum, die Verantwortung für eine qualitativ hohe, sichere und evidenzbasierte Gesundheits- und Pflegeversorgung zu übernehmen und sich dieser zu stellen. Das Konzept „clinical leadership“ hat nach meiner Auffassung durchaus das Potenzial, den Habitus und die Expertise von Pflegenden und Absolventen/innen von pflegerischen Studiengängen zu stärken und zu betonen. Insbesondere für Absolventen/innen von pflegerischen Studiengängen kann das Konzept „clinical leadership“…