Wieder ein interessanter Begriff, der schwierig ins Deutsche zu übersetzen ist. Er steht im Zusammenhang mit der Frage, wie man Theorie und Praxis miteinander verbinden und eine auf Evidenz basierte Gesundheitsversorgung in der Pflege erreichen kann. „Clinical development units“ werden seit vielen Jahren im angelsächsischen Raum diskutiert und umgesetzt. Die Ziele von „clinical development units“ sind unter anderem:
Exzellenz in der Pflege zu erhöhen
eine evidenz-basierte Gesundheitsversorgung zu fördern
Praxis und Forschung miteinander zu verbinden
pflege-geleitete Initiativen der Gesundheitsversorgung zu initiieren und durchzuführen
die direkte Patientenversorgung verbessern durch verbesserte Ergebnisse in der Gesundheits- und Pflegeversorgung (Outcomes der Patientenversorgung)
die direkte Patientenversorgung zu evaluieren
einen Level an Expertenwissen zu entwickeln, das für die direkte Patientenversorgung relevant ist
systematisches Wissen in der klinischen Praxis zu entwickeln, das sich aus Situationen in der Praxis generiert, kombiniert mit systematischen und regelgeleiteten Reflexionen und Feedbacks (Formulierung von praxisorientierten Fragen, Suche von Literatur in Datenbanken, Auswertung der Literatur und ähnliches)
kritische und reflektierende Pflegende zu unterstützen
„Clinical development units“ verfolgen einen „stationsorientierten Ansatz“. Das heißt, Stationen in der Akutversorgung und in anderen Einrichtungen werden als „clinical development units“ eingerichtet. Die Pflegenden in „clinical development units“ reflektieren die Praxis der Gesundheitsversorgung und versuchen, durch den Einbezug von Wissenschaft und Forschung diese zu verbessern. Dabei geht es nicht nur darum, dass sie Ergebnisse aus Wissenschaft und Forschung oder Standards und Guidelines anwenden, sondern dass sie auf diesen Stationen selber Forschungsprojekte initiieren und durchführen. Die Fragen für die Forschungsprojekte generieren sich aus der praktischen Arbeit.
„Clinical development units“ in der Pflege werden verstanden als Teams von Pflegenden im praktischen Setting, die unterschiedliche Ansätze anwenden, um sich selbst und die Praxis weiterzuentwickeln. Die Pflegenden fokussieren auf kreative Ansätze in der Pflege und akzeptieren Änderung als einen notwendigen Teil der praktischen Arbeit. Pflegende in „clinical development units“ reflektieren, untersuchen und evaluieren die pflegerische Versorgung und wenden Ergebnisse aus Wissenschaft und Forschung an, um sich dem Ziel „best-practice“ so gut wie möglich zu nähern.
Kurz & gut: Die Begriffe „clinical development units“ und „clinical leadership“ stehen in einem Zusammenhang. In beiden Fällen geht es darum, die Gesundheits- und Pflegeversorgung von Patienten/innen, Klienten/innen zu verbessern. Der Fokus ist in beiden Konzepten explizit auf Praxis und die direkte Patientenversorgung gerichtet. Während „clinical leadership“ eher als Führungsstil in der direkten Gesundheitsversorgung zu verstehen ist, sind „clinical development units“ Stationen oder Einrichtungen in der Gesundheitsversorgung, die einen forschungs-, wissenschafts- und evidenz-basierten Ansatz verfolgen. Im Mittelpunkt stehen die Gesundheitsversorgung der Patienten/innen und die Frage, wie diese unter Anwendung von forschungs- und evidenzbasierten Ansätzen in der praktischen Situation verbessert werden kann. Aus meiner Perspektive bietet das Konzept „clinical development units“ einen guten Ansatz für Einrichtungen der Gesundheitsversorgung, um a) eine möglichst hohe Qualität zu erreichen und b) Absolventen/innen akademisch ausgerichteter Pflegestudiengänge möglichst angemessen und zielorientiert einzusetzen und zu beschäftigen. Die Potentiale von akademisch qualifizierten Pflegenden sind noch nicht ausreichend ausgeschöpft und Konzepte wie diese bieten kreative Möglichkeiten, diese Situation zu ändern.